»Neue Beschäftigungsfelder« und »einfache Arbeit« für Benachteiligte
Ein Handlungsfeld für die Berufsbildung?
In immer mehr Branchen spielt die Beschäftigungsgruppe der Benachteiligten und Geringqualifizierten – trotz eines allgemeinen Trends zur Höherqualifizierung – eine zunehmende Rolle. Der Bedarf an Arbeitskräften mit geringeren Qualifikationen resultiert aus gesellschaftlichen, demografischen und arbeitsmarktbedingten Veränderungen. Auch wenn in der produzierenden Industrie in der Fertigung und Montage die Anforderungen aufgrund der Globalisierung, neuer Technologien, veränderter Arbeitsorganisationen und steigender Qualitätsansprüche die Arbeitsanforderungen bei allen Tätigkeiten gestiegen sind, spielt die Gruppe der An- und Ungelernten nach wie vor eine wichtige Rolle (z. B. 33 % in der Elektroindustrie). In anderen Branchen entstehen neue Beschäftigungsfelder (z. B. Second-Hand-Sektor und Recyclingsektor) für die Zielgruppe der Benachteiligten. Auf der einen Seite besteht auf dem Arbeitsmarkt ein Bedarf an Geringqualifizierten; auf der anderen Seite ist genau diese Beschäftigungsgruppe – trotz der Tendenz zu höheren Anforderungen – bei formaler Aus- und Weiterbildung unterrepräsentiert. Geringqualifizierte können somit auch als „Modernisierungsverlierer“ charakterisiert werden, da diese Zielgruppe sowohl unter einer subjektiven Bildungsperspektive als auch bedingt durch die Anforderungen des Arbeitsmarktes auf eine berufliche Bildung angewiesen wäre, aber am wenigsten daran teilnimmt.
Im Kolloquium werden auf Basis der Erfahrungen aus den Projekten WAP (Weiterbildung im Prozess der Arbeit für Fachkräfte der Metall- und Elektroindustrie) und QualiProSecondHand die Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt für einfache Tätigkeiten sowie Beispiele zur Qualifizierung von Benachteiligten (An- und Ungelernten) erläutert. Dabei soll diskutiert werden, ob dieser Bereich eine Forschungs- und Handlungsfeld der Berufsbildung ist und welche Fragestellungen dabei zu untersuchen sind. Ferner stellt sich die Frage, welche arbeitsmarkt- und bildungspolitischen, strukturellen und didaktisch-pädagogischen Maßnahmen für diese Zielgruppe sinnvoll wären.
Moderation:
Claudia Koring
(ITB, Universität Bremen)
Referenten:
Waldemar Bauer / Claudia Koring
Heike Arold / Lars Windelband
(ITB, Universität Bremen)
Termin:
Mittwoch, 15. Oktober 2008, 15.00 – 17.00 Uhr
Ort:
Institut Technik und Bildung, Am Fallturm 1 (Eingang A), Raum 2.07
