Qualifikationsbedarf und Qualifizierungskonzepte für die Facharbeit an historischen Fahrzeugen
»Oldtimer: Legenden der Leidenschaft« tituliert die Motor Presse Stuttgart in der 11. Ausgabe des Reports »Autofahren in Deutschland 2009« (Motor Presse Stuttgart 2009, S. 26) und stellt fest, dass obwohl sich die Weltwirtschaft in einer Krise befindet, der Oldtimer-Markt davon nicht betroffen scheint. Im Gegenteil: Old- und Youngtimer erfreuen sich einer wachsenden Beliebtheit, die auch in der Art und Weise zum Ausdruck kommt, wie diese Fahrzeuge restauriert, gewartet und instandgesetzt werden. Zahlreiche Werkstätten haben diesen Markt erkannt und spezialisieren sich auf diesen Sektor, so dass die Frage immer relevanter erscheint, wie für die Arbeit an solchen Fahrzeugen qualifiziert werden kann und muss. Diese Frage steht in der vorliegenden Studie im Mittelpunkt.
Gerade weil das Interesse an Old- und Youngtimern ein emotional besetztes Terrain ist, welches mit Vokabular wie »Kult«, »Faszination«, »Sammlermentalität«, »Individualität«, »Legenden«, »Leidenschaft« und »Rarität« überflutet ist, wird eine fundierte Analyse dieses Marktes und der damit verbundenen Herausforderungen für die Qualifizierung erforderlich. Zahlen, mit denen die Begeisterung für Old- und Youngtimer belegt wird, suggerieren zunächst eine hohe Bedeutung für besonders qualifiziertes Personal in den Werkstätten:
- 14 Millionen Oldtimer-Interessierte in Deutschland,
- 4 Millionen Oldtimer-Enthusiasten,
- 2 Millionen Bundesbürger, die sich selbst als Ratgeber und Experten bezeichnen,
- 335.000 Oldtimer (Fahrzeuge, die älter als 30 Jahre sind),
- 1 Millionen Old- und Youngtimer (Fahrzeuge, die älter als 20 Jahre sind, darunter 1.053.132 Pkw) (Befragung des Congress Centrums Pforzheim 2007, KBA 2009).
Schon ein erster genauerer Blick auf den Fahrzeugbestand lässt die schwierig zu bestimmenden Grenzen erahnen, welche Fahrzeuge aus technischer Sicht wirklich zu den historischen und welche eher zu den traditionellen Gebrauchtfahrzeugen gehören. Ist ein VW Golf II eines der Fahrzeuge, das mit den oben erwähnten emotional besetzten Zuweisungen verbunden wird? Oder fallen solche Fahrzeuge eher in das Feld des klassischen Reparatursegments einer jeden Kfz-Werkstatt?
Mit dieser Studie werden die vorliegenden Daten und Fakten einer Analyse unterzogen und die Facharbeit an historischen Fahrzeugen wird genauer untersucht, um den Qualifikationsbedarf einerseits zu bestimmen und andererseits Antworten auf die Frage zu geben, wie dieser durch Qualifizierungsmaßnahmen in Erstausbildung sowie Fort- und Weiterbildung gedeckt werden kann.
Referent:
Prof. Dr. Georg Spöttl
(ITB, Universität Bremen)
Termin:
Mittwoch, 17.03.2010, 15:00 Uhr
Ort:
Institut Technik und Bildung, Am Fallturm 1 (Eingang A), Raum 2.07
