Allgemeinbildung und Ausbildungsreife
Das Problem des Übergangs als diagnostische Herausforderung
Gerade in Bremen hat die Rede von »Risikogruppen« unter Sek. I–Absolventen ihre Wirkung nicht verfehlt. Man gibt sich nicht zufrieden mit den bundesweit eingeführten Standards für die Abschlüsse von Haupt– und Realschulen, sondern man will etwa durch strukturelle Änderungen mehr tun als durch bestimmte Maßnahmen die Einhaltung dieser Standards zu gewährleisten. Bislang bleibt es jedoch bei der Konzentration auf die Qualität und Leistungsfähigkeit der allgemeinbildenden Schulen und der Sorge um die Einhaltung ihrer Curricula.
Dem stellen wir Überlegungen gegenüber, die von einem Primat der Berufsbildung an der Eingangsschwelle ausgehen:
A: Hypothese von der Problemkonstanz: Die Berufsbildung hatte es immer schon mit den weniger guten oder leistungsschwachen Absolventen der Sek. I zu tun. Praktische Implikation: Die bewährten und verfügbaren Mechanismen der nachholenden Reife im Milieu beruflichen Lernens (Berufsschule und Betrieb) sind mehr denn ja gefordert.
B: Hypothese von der Krise: Die Reifungsvoraussetzungen sind im Schwinden begriffen, so dass die erprobten Mechanismen der nachholenden Eingangsvoraussetzungen keinen wirksamen Ansatzpunkt mehr finden. Praktische Implikation: Das System der Berufsbildung gerät in eine Krise, die das Ziel einer arbeitsmarktadäquaten Qualifikation am Ende der Ausbildung zu gefährden beginnt. Konsequenz: Nicht schulische Bildung als solche (Fächer, Inhalte, Methoden, Medien etc.) müssen sich ändern, sondern das Milieu schulischen Lernens als solches, indem die Lebenswelt der Jugendlichen durch entwicklungsadäquate Erfahrungen und Herausforderungen verändert wird.
C: Schlussfolgerung: Auch wenn »Ausbildungsreife« in der beginnenden Berufsbildung erworben wird und nicht in den allgemeinbildenden Schulen, dann sind dafür Voraussetzungen anzunehmen, die in der allgemein bildenden Schule geschaffen werden. Insbesondere aus betrieblicher Sicht ist die Rede von einem Schwund der Voraussetzungen von Ausbildungsreife. Kann angesichts dessen von allgemeinbildenden Schulen eine Unterstützung beim Kampf gegen den Fachkräftemangel erwartet werden? Und wie kann man das so untersuchen, dass die allgemeinbildenden Schulen nicht nur ihre Curricula »durchhalten« müssen, sondern die fachlichen Konzepte in Muttersprache, Mathematik und Naturwissenschaften auch vermitteln, die in der Berufsbildung als Basis vorliegen müssen.
Moderation:
Dr. Andreas Saniter (ITB, Universität Bremen)
Referenten:
Dr. Daniela Ahrens (ITB, Universität Bremen)
»Die Übergangsproblematik als Herausforderung für die Berufspädagogik«
PD Dr. Rainer Bremer (ITB, Universität Bremen)
»Erste Ergebnisse eines diagnostischen Tests von »Ausbildungsreife« in der Erprobung«
Termin:
Mittwoch, 20. Februar 2008, 15.00 – 17.00 Uhr
Ort:
Institut Technik und Bildung, Am Fallturm 1 (Eingang A), Raum 2.07
