Produktionsprozessnahe Ausbildung
Produktionsprozessnahe Ausbildung in einem internationalen Großkonzern
– ein Ansatz zur Förderung beruflicher Mobilität innerhalb Europas
Vor dem Hintergrund des EADS-Modellversuchs Move Pro Europe und seinem internationalen Kontext stellte sich die Frage, wie die in den deutschen Experten-Facharbeiter-Workshops erarbeiteten BAG-Listen (Berufliche ArbeitsaufGaben) von den Kollegen der vergleichbaren Berufe in den Nachbarländern beurteilt werden. Bestehen identische Anforderungen und lassen sie sich zu ähnlichen Profilen zusammenfassen? Wo bestehen Differenzen? Wie lassen sich diese begründen? Sind heute noch Unterschiede auf die differenzierte Entwicklung nationaler Bildungssysteme insbesondere in der Sekundarstufe II im Zeitablauf zurück zu führen?
Diese Fragen kann man weiter präzisieren: Wie bewährt sich ein »modularisiertes« System wie das britische, dem die EADS-Tochter mit ihren Standorten in Wales und England angehört? Wie stark ist möglicherweise der Reiz, nur kurzfristig sinnvolle Module zu wählen bzw. anzubieten? Diese Frage lebt in ähnlicher Konsequenz mit der Einführung eines Credit Point-Systems in der europäischen Berufsbildung wieder auf.
Macht es Sinn, wie in Frankreich prozessferne schulische Unterrichteinheiten zeitfern des eigentlichen Berufsstarts am Anfang einer Ausbildung, zudem staatlich finanziert, anzubieten und es später praktisch ausschließlich den Ausbildungsbetrieben zu überlassen, mit welcher Methodik und in welchem Rahmen sie praktisch ausbilden? Hier kommt besonders ein Gegensatz zwischen betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Interessen zum Tragen.
Schließlich bietet Spanien die Möglichkeit zu hinterfragen, wie groß die Defizite sind, wenn ein System gar keine koordinierte Berufsausbildung vorschreibt und die Firmen prinzipiell nur On-the-Job ausbilden.
Als Kernaufgabe ergab sich die Definition eines Maßstabs, einer Vergleichsbasis. Es ist denkbar, dass als sich als solche Vergleichsbasis der berufliche Anforderungskatalog (direkt nach Ausbildungsabschluss) eignet, wo ja empirisch schon die unterschiedlichen Zeiträume bis zu einer Arbeitsmarktintegration der Jugendlichen in den verschiedenen Ländern auf Differenzen deuten.
Moderation:
Andreas Saniter
(ITB, Universität Bremen)
Referenten:
Jürgen Ledl
(IVECO Deutschland)
Termin:
Mittwoch, 20.05.2009, 15.00 Uhr
Ort:
Institut Technik und Bildung
Am Fallturm 1 (Eingang A), Raum 2.07
Material zum Kolloquium:
Ausbildungstraditionen und Mobilitätserfordernisse (Rainer Bremer)
